WOLFGANG AMADÉ MOZART AN LEOPOLD MOZART IN SALZBURG
WIEN, 9. JANUAR 1782
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                                                                                        vienne ce 9 de Janvier
    Mon trés cher Pére!                                                                              1782

Ich habe noch keine antwort auf mein leztes, und das ist die ursache, warum
ich ihnen den letzten Postage nicht geschrieben. – ich hoffe mir heute aber
doch noch einen brief von ihnen. – da ich ihnen schon in meinen lezten
auf dieses von 28:tn Dec:bre – |: ohne es zu wissen :| zum theil in voraus geant=
wortet habe, so muß ich ihren brief vorher abwarten. –
unterdessen will ich ihnen benachrichtigen, daß der Papst hieher
komen soll; davon ist die ganze Stadt voll. – ich glaube es
aber nicht; den, graf kobenzl hat mir gesagt daß der kaÿser
diese visite nicht anehmen wird. – den 5:tn ist der Russische
Hof abgereiset. – Nun bin ich einmal selbst beÿm Peisser
gewesen, um zu sehen ob kein brief von ihnen da ist. und
habe wieder hingeschickt – es ist gleich fünf uhr. – ich verstehe
nicht daß ich keinen brief bekome! – sollten sie so böse
seÿn über mich? – daß ich ihnen die sache so lange verschwiegen
darüber könen sie böse seÿn, da haben sie recht. doch wen
sie meine Entschuldigung darüber gelesen haben, so
nen sie mir schon verzeihen. – und daß ich mich zu
verheÿrathen wünsche, darüber könen sie doch nicht böse
seÿn? – Ich glaube daß sie hierin meine Religion und

DOM=
MUSICK=VEREIN
U.
MOZARTEUM

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„MOZARTEUM”
1881
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gute denkunsart am besten haben erkenen könen. – O ich
nte ihnen auf ihr leztes schreiben wohl vieles antworten,
und viele Einwendungen machen, allein, Meine Maxime ist,
was mich nicht trifft, das achte ich auch nicht der Mühe werth
daß ich davon rede. – ich kan mir nicht helfen, ich bin einmal
so. – Ich schäme mich ordentlich mich zu vertheitigen, wen
ich mich falsch angeklagt sehe – ich denke mir imer, die
Wahrheit komt doch an den Tag. – Nun – ich kan ihnen
von dieser sache nichts mehrers schreiben, weil ich noch
keine antwort auf meinen lezten brief habe. – Neues
weis ich nichts; mithin leben sie wohl; – ich bitte sie
noch einmal um verzeihung – und bitte sie um Nach=
sicht und Mittleiden für mich; – ohne meine liebste
konstanze kan ich nicht glücklich und vergnügt seÿn –
und ohne ihre zufriedenheit darüber würde ich es nur
zur hälfte seÿn. – machen sie mich also ganz glücklich,
mein liebster, bester vatter! ich bitte sie. – ich bin
Ewig dero

                                                    gehorsamster Sohn
                                                            W: A: Mozart mp

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P: S: Meine liebste schwester küsse ich 1000mal von
ganzem herzen. – beÿ der Sonate auf 2 Clavier
hat die frl. v: Auerhamer die Erste Parthie gespiellt;

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[S. 4] increment_line_height_4decrement_line_height_4
À
Monsieur
Monsieur Leopold
Mozart maitre de la Chapelle
à
Salzbourg

N. 44.

9 Jenner
1782

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