LEOPOLD MOZART AN WOLFGANG AMADÉ MOZART IN MÜNCHEN
SALZBURG, 22. JANUAR 1781
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                                                                                       Salzbς: dς 22 Jener
Mon trés cher Fils!                                                                                 1781

Den Augenblick war hς: Varesco beÿ mir; dieser hungerige Geldsichtige
Narr kan sein Geld nicht erwartς: allein ich sagte ihm, er müsse
Gedult habς, bis Madame v Robinig komt, die es ihm mitbringς
wird. der Kerl ist samt seinem gutς Einkomς, voller Schuldς.
Er sagte man hätte es ihm ja mit dem Postwagς schickς könς;
und wollte es vermänteln, als hätte hς: Schachtner desswegς mit ihm
gesprochς: da doch hς: Schachtner nicht allein niemals zu mir gekomς,
sondς im Gegentheile, da ich ihn selbst darüber angesprochς,
mir sagte, daß ihn des hς: Varesco zudringlichkeit befremde und
      er

[er] niemals sich eine andςe Rechnung gemacht habe, als das Geld
erst

[ers]t beÿ unserer Zurückkunft von Münchς zu erhaltς.
                 der

[der] Buchhalter, Schreiber, odς Ladenbediente, Salvo Titulo, der
  Frau

[Fra]u von Robini hätte es mitbringς könς; der voraus gekomς
        und

[und] schon hier ist. das hast du halt nicht gewust.
                    Hast

[Hast] du es Geld der Fr: v Robini noch nicht eingehändiget? – –
du

[du] must das nicht so lange in Händς behaltς, – – wen es dir ge=
stohlen würde! der Gr: Seau schreibt in dem Brief an Verasco
che habbia Consegniata la Cambiale al Sgr Maestro di Capella.

das wort Cambiale heist ein wechselbrief. wäre es um ein
Wechselbrief so hättest du ihn mir in einem Brief einsendς
müssen, um das Geld hier zu beziehς, und iedem das seinige
behändigς zu könnς. da aber dieses nicht geschehς, so vermuthe
und muß glaubς, daß es baar geld ist. – Hier komt es
wiedς auf die GeldSortς an. Basta! wen ich nur selbst in
München bin. ich muß die Anstalt treffς, das jedς besondςs das
seinige bekomt. Varesco mi a seccato i Cuglioni:
Nun ist der donerstag der 25te diess zur Abreise vestgesetzt.
da ich keine eigne chaise mehr habe, sind wir gezwungς

DOM=
MUSICK=VEREIN
U.
MOZARTEUM

INTERNATIONALE
STIFTUNG:
„MOZARTEUM”
1881
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einς Lehnrössler odς Rosslöhner zu nehmς. Wir könnς also nicht
eher als freytag abends den 26, und zwar nicht leicht
vor 8 uhr abends eintreffς, da das Wetter itzt schlimmer
gewordς, odς vielmehr die Weege. – – Sollte nun aber
ein ganz ausserordentlicher Zufahl, den ich nicht vermuthς kan,
uns abzureisen hindςen, so würdest du mit der am Freÿtag,
am nämlichς täge der Ankunft, in Münchς abends ein=
treffendς Salzbς: Post einς Brief auf dς Post findς.
Du hast mir also nichts mehr zu schreibς, und ich dir auch
nicht; das übrige werdς wir mündlich abhandeln.
das muß dir doch schreibς, den es ist gar zu seltsam.
der alte geheimde Rath Amand wird haÿrathς
er geht in das 70te Jahr. – und wen den? –
die Camerjungfer von dς gräfin von Wallis. die junge
rueschlende Böhmin. – stelle dir vor, wie alles lacht.
und stelle dir vor was alle seine hςς: Söhne für gesichter
machς. – mache aller ortς unsere Empfehlung, wir küssς
dich beyde und bin dein redlicher Vatter
                                                                  L Mozart mp

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