WOLFGANG AMADÉ MOZART AN LEOPOLD MOZART IN SALZBURG
MÜNCHEN, 24. NOVEMBER 1780
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                                                                               Munic ce 24 Nov:bre 1780.
                           Mon trés cher Pére!

Ich habe das Paquet und ihren lezten brief von 20:ten richtigst erhalten –
Herr schachtner bekomt für seine Bemühung 10 Duccaten – Ich hoffe Sie
werden unterdessen auch die Aria für Hς: schickaneder erhalten haben.
– der Mad:selle Catherine Gilofskÿ de Urazowa bitte meinen unter=
thänigsten Respect zu vermelden – und in meinen Namen alles schöne
zu ihrem Namenstage anzuwünschen, Besonders wünsche ich ihr, daß dies
das leztemal seÿe, daß man ihr als Mad:selle gratuliere – –
                                     Seinsheim
was sie mir wegen graf olnoulfa schreiben, ist schon lange geschehen –
das hängt Ja alles so an einer kette; – ich habe schon einmal beÿ ihm
                                                     Baumgarten
zu Mittage gespeist; 2 mal beÿm Bmhagmrtln und 1. mal beÿm
Lerchenfeld                 Baumgarten
Elrculniled – davon die Bmha etc. eine Tochter ist. – da ist kein
tag wo nicht wenigstens Jemand von diesen leüten zum Canabichmt;
              meiner     opera
– wegen alfnlr splrm seÿen sie ausser Sorg, mein liebster vatter –
                                                                    Eine kleine Kabale
Ich hoffe das alles ganz gut gehen wird. – lfnl kefnl Cmbmel
wird es wohl absetzen – die aber vermuthlich sehr Comisch ausfallen
                                                    Noblesse       ansehnlichsten
wird –. den – ich habe unter der Nsbelool die mnolunefcuotln
     vermöglichsten           Häuser             ersten bei der
und vlras"efcuotln um"holr – und die lrotln Blÿ dlr Ahofck
Musik                                                                                Cannabich
sind alle für mich – Ich kan ihnen nicht sagen wie sehr Cmnnmbfcu
mein   Freund  ist          thätig            wirksam
alfn irlhnd fot. – wie tum"tfgwfrkoma – mit einem Worte,
             Laurer                                              Jemanden Gutes
er ist ein Lmhlrlr – wen es darauf ankömt flamndln ghtlo
zu
zh tuhn. – wegen der geschichte vom Mara will ich sie ihnen ganz
erzehlen – warum ich ihnen nie etwas davon schrieb, ist ursach, weil ich
mir dachte, wissen sie nichts davon, werden sie es schon hier selbst hören,
und wissen sie was, so ist es allzeit zeit ihnen die ganze wahrheit davon
zu schreiben – den vermuthlich wird man wohl was darzu gemacht
haben – wenigstens hier in der stadt hat man sie auf gar viellerleÿ
art erzehlt. – ich kan es aber an besten wissen, weil ich zugegen
war, und folglich beÿ der ganzen affaire ein zuseher und zuhörer war.
als die Erste Sinfonie vorbeÿ war, traff es Mad:me Mara zu singen –
da sah ich ihren hς: Gemahl hinter ihr mit einen violoncell in der hand
herschleichen – ich glaubte es wird eine mit einen violoncell obligate aria
seÿn – der alte Danzi – |: ein sehr guter accompagneteur :| ist erster

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violoncellist hier; auf einmal sagt der alte toeski |: auch Director aber
in den Moment wen Canabich da ist, nichts zu befehlen hat :| zum Danzi
|: NB: zu seinem schwiegersohn :| steh er auf, und laß er den Mara
hersitzen
– als dies Canabich hört und sieht – schreÿt er; Danzi,
bleiben sie sitzen – der Churfürst sieht gern wen seine leute accom=
pagn
iren
. – darauf gieng die aria an – Giov Mara stunde wie
ein armer sünder mit den Bassl in der hand hinter seiner frau –
als sie in den saal eintratten, waren sie mir beÿde schon unerträglich
– den so was freches hat man nicht bald gesehen – sie werden
in der folge davon überzeugt seÿn. – die aria hatte einen 2:ten
theil – Mad:me Mara fand es nicht für gut das orchestre vorher zu avisieren,
sondern gieng mit ihrer angebohrnen Air d'effronterie unter dem lezten
Ritornell herab um den hohen Herschaften ihr Compliment zu machen.
unterdessen fieng ihr Man mit dem Canabich an – alles kan ich nicht
schreiben, es würde zu lang – mit einem Worte, er beschimpfte
das orchestre – den Caractére des Canabichs – Natürlicher weise
war Canabich aufgebracht – kriegte ihn an Arm, und sagte:
hier ist der Platz nicht ihnen zu antworten – Mara wollte noch reden,
er drohte ihn aber, wen er nicht schwiege, ihn hinaus führen zu lassen.
– alles war über die impertinence des Mara aufgebracht –
unterdessen war ein Concert von Ram; – da giengen die 2
lieben Ehleute zum Graf Seeau klagen – sie fanden aber auch
da, wie beÿ allen leuten, daß sie unrecht hatten – Endlich begieng
Mad:me Mara die Sottise selbst zum Churfürsten deswegen hinab
zu gehen – und ihr Man sagte unterdessen ganz stolz: Meine frau
klagt itzt eben beÿm Churfürsten; das wird den Canabich sein unglück
seÿn – es thut mir leid
. er wurde aber ganz herrlich darüber aus=
gelacht. – der Churfürst antwortete auf die klage der Mad.me Mara;
Madame; sie haben wie ein Engel gesungen, obwohl ihnen ihr Man
nicht accompagniert hat
. und als sie ihre klage poussieren wollte, sagte
er; Ja, das geht mich nichts an, sondern graf Seau. – als sie sahen
daß da nichts zu machen war, so giengen sie weiter – ob wohl sie noch 2 arien
zu singen hatte – das heist auf teütsch den Churfürsten affrontiren –

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und ich weis gewis wen nicht der Erzherzog und vielle andere fremde da gewesen
wären, man würde ihnen ganz anders begegnet seÿn – aber auf diese art war
dem graf Seeau scheiß bange, schickte ihnen gleich Nach – und sie kamen wieder
zurück; – sie sang ihre 2 arien ohne von ihren Man accompagnirt zu seÿn.
beÿ der letzten – Ich glaube imer daß es hς: Mara mit fleiß gethan –
giengen |: NB. nur in der abschrift wo Canabich spiellte :| 3 täckt ab –
als dieses kam, hielte Mara dem Canabich den Arm – dieser fande
sich gleich – schlug aber mit den Bogen auf das Pult, und schrie laut;
hier ist alles gefehlt – wie die aria aus war; – sagte er: hς: Mara,
ich will ihnen einen Rath geben – lassen sie es ihnen gesagt seÿn,
halten sie keinen Directeur von einen Orchestre den Arm – den sie könen
sich sonst imer auf ein halb duzend ohrfeigen rechnung machen

Maras ton war aber nun schon ganz herabgestimt – er bat um verzeihung,
entschuldigte sich aufs Beste. – das schändlichste beÿ der ganzen affaire war,
daß Mara |: ein Elender violoncellist, wie alles hier sagt :| gar sich nicht beÿ hofe
hätte hören lassen, wenn nicht Canabich gewesen wäre, der sich darum Mühe
gegeben hat – in der Ersten accademie da ich noch nicht hier war, spiellte er
Concert, accompagnierte seiner frau, setzte sich, ohne weder dem Danzi noch
Jemand was zu sagen, an Danzi seinen Platz – das liess man so
hin gehen. der Churfürst war mit seinem accompagement gar nicht zu
frieden. sagte: er sähe lieber daß seine leute accompagnirten – Canabich
der das wuste, sagte es dem Grafen, bevor die accademie anfieng.
er köne wohl auf der andern seite mitspiellen, aber Danzi Muß auch
spiellen; und als Mara kam, sagte er es ihm – und doch – begieng
er die impertinence; – wen sie sie kenen sollten die 2 leute, man
sieht ihnen den stolz, grobheit, und wahre Effronterie im Gesichte an.
– Nun hoffe wird wohl meine schwester wieder gesund seÿn! – Ich bitte
sie, schreiben Sie mir keinen so trauerigen Brief mehr – den – ich
brauche dermalen ein heiteres Gemüth – leichten kopf – und lust zum
arbeiten – und das hat man nicht wen man trauerig ist – Ich
weis, und fühl es Beÿ Gott, wie sehr sie Ruhige stunden verdienten!
allein – bin ich den das hindernüss? – ich möchte es nicht seÿn, und
                                                                              Zwek erreiche
– leider bin ich es doch! – aber; – wen ich meinen Zwlck lrlfcul – daß
ich      hier ansehnlich ankommen                        Sie        den Augenblik
Icu uflr mnolunefcu mnksaaln kan – so müssen ofl dln mhglnbefck
  von Salzburg weg.                                                                           meinen
vsn omezbhrg wlg. – das geschieht nicht, werden sie sagen – – an alfnln

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Fleiß                 Bemühung
ielfo und Blmh"uhng wird wenigstens der fehler nicht seÿn –
sehen sie nur daß sie bald zu mir herauf komen – wen Nur der
Esel welcher einen Ring zereist, und durch die gewalt einen Bruch bekömet,
daß ich ihn darüber scheissen höre wie einen Castraten mit hörner, und mit
seinem langen ohr den fuchs= schwanz streicht, nicht so
. . . . . . wäre.
wir könen alle Beÿsamen wohnen. ich habe in meinen Ersten Zimer eine
grosse Alcove worinen zweÿ Better stehen – daß ist nun für Sie
und mich charmant. Nun aber wegen meiner schwester wird kein ander
Mittel seÿn, als – daß man einen ofen in das andere Zimer setzen
lässt – das wird eine affaire von ungefähr 4 bis 5 Gulden seÿn –
den, Man möchte Einheitzen daß der ofen sprengen sollte, und die
thüre hinein offen lassen – so würde es doch nicht erträglich werden –
– den, es hat eine grimige kälte darin. –
fragen sie doch den Abate varesco ob man beÿ dem Chor im 2:ten Ackt Placido
è il mar. Etc. nachdem nach der Ersten strophe der Elletra der Chor
wiederhollet worden, nicht aufhören könte? – wenigstens nach der
zweÿten – es wird doch gar zu lang! – künftigen Postwagen hoffe
das Recitativ und Aria für hς: Raaf richtig zu erhalten.
ich bin nun zweÿ täge schon wegen meinem Chartar zu hause geblieben –
und – zum glück daß ich nicht viell appetit hatte – den in die länge
wäre es mir ungelegen für das Essen zu zahlen – ich habe aber
dem grafen ein Billet darüber geschrieben – er ließ mir sagen, er
wird schon mit mir darüber sprechen – beÿ gott! – ich zahle keinen
kreützer! er muß sich Ja in die Seele schämen – Nun adieu;
Machen sie doch allen guten freundn und freundin meine Empfehlung
von hier von allen – 1000 Complimenten. ich küsse ihnen 1000mahl
die hände und Meine schwester umarme ich aus ganzen herzen –
und hoffe alles gute von ihrer gesundheit, und bin Ewig

Die drei Zeilen oben, die angestrichen sind,

sind Chiffresprache und bedeuten blos:
                  gehorsamster Sohn
             Erzbischof.
                                        Wolfgang Amadè Mozart mp

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