LEOPOLD MOZART AN MARIA ANNA UND WOLFGANG AMADÉ MOZART IN MANNHEIM
SALZBURG, 11. UND 12. JANUAR 1778
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Meine Lieben!                                                                                          Salzbς: dς 12 Jener
                                                                             
32.
                                                      1778.

Den vorigen Posttag habe nicht geschriebς, ich werde auch nur alle 8 Täge schreibς, wen nichts besonders vor=
fallt. dein schreibς vom 3 habe erhaltς; bin vergnügt daß ihr gesund seyd. Wir sind es auch, nur daß die Nanerl
seit einigen tagen einς fluß im Kopf hat, und ich sie nicht ausgehς lasse. Es sind viel Kranke hier, und sterbς
viele. der 25te Domherr, der Chorherr Vollenhals ist durch ein hitziges fieber auch dem Todt nahe, er ist
versehen wordς und hat die letzte öhlung bekomς. von Münchς haben wir keinς Brief: vielleicht weis er
nichts gewisses – vielleicht getrauet er sich nichts zu schreibς. überhaupts weis man hier nichts, als daß der
alda angekomene Kaÿsς: Gesandte der Reichsgesandte Baron Lehrbach LandComandeur von Ellingς ist, ein
oncle des hiesigen Lehrbach. In Reichenhall ist vom Taxischς Regiment ein officier mit 28 Man einge=
rückt. dς Cornet v Andretter hat um Geld geschriebς, weis aber noch nicht, wo er hin wird beordert werdς.
übrigens ist alles still; wünsche, daß es so bleibt. Missliwetcek hat mir geschriebς, daß er 2 Concertoni auf
verlangς des Fürstς Componiert und dem Brunetti geschickt, aber kein Antwort erhaltς. ich antwortete ihm,
daß er nichts dafür bekomς werde; es wird in die vorige Bezahlung darein gehς, er soll aber dem
Brunetti so oft schreibς, bis derselbe müde wird 6 Xr allzeit Briefporto zu bezahlς, und die Sache
betreibt. der Major Graf überacker ist ohnweit Regenspurg auf einem Landgut, wo er schon einige Zeit
beÿ seiner Schwester war, gestorben, der Ritter, im Schloß Comendant, ist alle Augenblick zum sterbς.
der lederer Lackner Rathsherr ist mit allς hlς: Sacς: versehς wordς, liegt in der grösten Lebensgefahr an
der hitzigen Kranckheit. Es werdς nur 5 oder 6 Ball auf dem Rathshaus seÿn. Die Comoediantς
sind elend, habς schlechtς Zugang, sind zu bedauerς. wir habς noch nichts davon gesehen. Nach ostern
soll der Erzbς: willens seÿn die opera buffa von Münchς komς zu lassς und ihnς 50 duggattς monatlich
zu gebς für seine Person. Gott gebe, daß wir keine andere fürchterlichere opern in der Nähe bekomς;
                          Linz Nachricht       hat daß   10,000             Mann marschiren werden daß
da man hier von efnz Nmcurfcut umt dmo zluln dmholnd amn amrocufrln wlrdln, dmo
     Munitionswagen von wien im Marsch sind Von der Seite von Eger her sollen auch
15 ahnftfsno wmgln vsn wfln fa amrocu ofnd p: vsn dlr olfrtl vln lglr ulr, oseeln mhcu
Soldaten in Marsch seyn
osedmtln fa amrocu olÿn p: und andere dergleichς wilde Sachen, die ich nicht schreibς mag, weil
vieles nicht wahr seÿn kan, und alle Menschen hier nicht unbillig in grossen Sorgen stehς. Ich wollte schon
auf etwas rathen; das man aber beÿ euch oben leichter und geschwinder merken kan. nämlich ob
              Preussischen Truppen im Clevischen gegen Jülisch und Berg eine Bewegung machen.
nicht die Prlhofoculn trhppln fa Celvfoculn glgln Jh"efcu hnd blrgln lfne Blwlghng amculn? – –
geschieht dieses; so hab ich es errathς. Gott schütze alle ehrliche Leute! ich getraue mir meine ver=
muthungen nicht zu schreibς; man könnte ganz unschuldig in einς bösen verdacht komς. S:e Exς: der
Obersthofmeister haben mir gemeldet, daß S:e Hochfς: Gdς ihm befohlς hättς mir und dem Haydn zu sagς,
ob wir nicht einς recht gutς Organistς wüstς, dieser müste aber auch ein trefflicher Clavierist seÿn,
anbeÿ von gutem Ansehς, sich gut presentierς könς um den Damen Lecktion zu gebς. wie? sagte
ich, auch mich habς S:e Hochfς: Gdς benennt? – ja – – absondςlich sie! und lachte. – ich antwortete: Ich weis
niemand der alle diese Eigenschaft hat. Ist vielleicht einer in Manheim, so kan er sein Glück machς.
für einς welschς Secretaire war das Walterische Zimer beym Andretter vom Fürstς bestellt und 8 täge
geheitzt. Er ist aber nur bis Roveredo gekomς, wo er schon die Salzbς: Luft gerochς, die ihm ein so
starkes fieber zugezogς, daß er wieder zurück gekehrt, und obwohl er nur 3 Täge aus war,
so übl aussahe, daß er, wie die Briefe sagtς, nicht mehr zu kennς war. dieses alles habe gestern dς 11
geschriebς. heut den 12 in der frühe ist der Lederer Lackner wirkl: gestorbς. Gestern hab das beste gewonς und also der
Mama 29 Xr herausgeschossen. Heut nachmittag muß des chorregentς in Laufς fehlachers bruder, einς kaÿsl:
feldtrompeter probierς, weil er anhalt Hoftrompeter zu werdς. NB der Wolfg soll lachς; der fehlacher
von lauffen hat auch ein                                                        memorial eingegebς um Hoforganist
zu werdς. Heute am Nahmenstag                             des Graf Ernst wird auf die Nacht die Noblesse
eine Schlittenfarth haltς,                                                       dan Soupé und Ball beÿm Fürst Breiner
in der domdechaneÿ.                                                     die Gräfin v Lodron und Kühnburgin fahren
nicht mit. hς: von Schiedenhofς                              wird diesς fasching noch heyrathς, dem Ober=
bereiter ist die Erlaubniß abgeschlagς wordς: Er wird sie aber nicht lassς; weil er nach Wien zu komς
trachtet. Rust komt nicht aus dem Hause: componiert den Parnasso confuso zur Consecration des
neuς Erzbischof v Ollmütz. er macht aber meistens Gebrauch von schon geschriebnς Arien aus seinς Spartς,
wie mir Spizedς und die Copistς sagen. Franz Barisani wird erst in der fastς nach Hause reisen.
das ganze Barisanische Hauß ist missvergnügt, und die Glorÿ sehr heruntergesunckς: so gar die
Freul: v Mölk, die dieser täge beÿ uns war, und sich empfehlt, ist sehr, wegς schwäzereÿς, Hochmuth,
und ihr bezeugtς verachtungς darüber aufgebracht. Nun schlüsse. Wir Küssς euch beyde millionmahl
die Nanerl befindet sich besser – und sind beyde die altς                            Mzt mp
alles – in Specie hς: Bullinger empfehlt sich. addio!

INTERNATIONALE
STIFTUNG:
„MOZARTEUM”
1881
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Hier schicke ein blath von der Sonaten,
damit der brief nicht so dik wird,
und so werde es nach und nach
schicken.

A Monsieur
Monsieur Wolfgang Amadé
Mozart Maître de Musique
à

Frcoaugς
Manheim

N:o 31.

INTERNATIONALE
STIFTUNG:
„MOZARTEUM”
1881
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