LEOPOLD MOZART AN MARIA ANNA MOZART IN SALZBURG
CROCE DEL BIACCO, 21. AUGUST 1770
mit Nachschrift von Wolfgang Amadé Mozart an Maria Anna (Nannerl) Mozart
[S. 1]


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Bologna dς 21
tς augς: 1770.
Mein fuß ist, Gott Lob, vollko
mς gut. wir sind noch auf dem Landgut
alla
Croce del Biacco, welches dem
Comte Bolognetti zugehöret, und auf gewisse
Jahre hς: Gr:
Pallavicini in Bestand hat. den 30
tς diss wird das Jährliche
grosse
Fest seÿn, welches alle Jahr die Mitgliedς der
Bolognς: Philarmonischς
Gesellschaft mit
Vesper und Hochamt prächtigst haltς. das werdς wir hörς,
glaublich aber da
n bald abreisen. wohin? – – das ist noch nicht völlig richtig.
entzwischς schreibe du allzeit auf
Bologna, ich werde schon Anstalt machς, daß
ich die Briefe richtig erhalte. we
n ich nach
Pisa,
Luca,
Livorno und
Genua gehe,
so ko
me noch einmahl nach
florenz. für den glückwunsch des hς:
Dr: Agliardi
lasse mich bedankς und ihm nebst meiner Empfehl: sagς, daß es nur, wie hofe,
ein blindς Lerm und gar nicht ernst war; de
n ich habe es mit warmς über=
schlägς von Wasser, wori
nς ich
flores Sambucci gesottς, vertriebς.
Die wenige wärme, so wir hier hattς, ist nach einem mit starkem Regen
begleitetς do
nerwetter verschwundς. den verflossenς 18
tς habe nicht schreibς
könnς, weil ich mit der Gräfin
Exς: ausfahrς muste, und da wir späth
nach Hause kamς, warς die Briefe des hς: Feldmarschals schon in die Statt ge=
schicket. die Unglücke die in der Insul
St: Domenico das grosse
Erdbebς angerichtet, wird euch allς aus den Zeitungς bekannt seÿn.
die hς: Kaufleute werdς wohl dadurch Gelegenheit nehmς mit dem Zuker
aufzuschlagς, weil die Zucker
plantagen aldort zugrunde gerichtet wordς.
Wir befindς uns, Gott Lob, beÿ feigς,
Mellonen und andςς früchtς, die wir
sehr mässig essen, sehr wohl. Abends, etwa 2 stund vor Tische, essen wir
eine gewisse frucht, die niehmals, als in gemäldς, gesehς habe, und die einς
Geschmack wie
Cuccumern hat, Es ist eine runde grosse frucht mit
einer grienς schaale we
n es von einandς und in viele
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stücke verschnittς wird, so sieht es sehr gut aus, de
n es ist blass roth,
namlich das i
nere odς dς kern. man ne
nt diese frucht
angurie, auch
Cuccumern odς Kirbes, aber das sind die gutς und nicht die wildς
Kirbes. ma
n isst sie mit Zucker und Zi
met. Ich schlüsse, de
n
ich habe noch 2 briefe, nach Mayland und Rom, zu schreibς. Wir kissς
euch beÿde 1000 mahl und bin dein alter
Mozart mp
unsere Empfς: an alle freunde und freundinς in und ausser dem Hause.
Ich bin auch noch lebendig, und zwar sehr lustig. heünt kam mir die
lust auf einen eesel zu reitten, dan in
italien ist es der brauch, und
also habe ich gedacht, ich mus es doch auch probieren. wir haben die
ehre mit einen gewissen
Domenicaner umzugehen, welcher für hei=
lig gehalten wird, ich zwar glauebe es nicht recht, dan er ni
mt
Zum frühstück oft Eine
tassa ciocolata, gleich darauf ein guts glas
starcken spanischen wein, und ich habe selbsten die ehre gehabt
mit diesen heiligen zu speisen, welcher praf wein und auf
die lezt ein ganzes glas voll starcken wein beÿ der tafel
getruncken hat, zweÿ gutte schnitz
melooni, sperschig, biern,
5 schallen
Caffé, ein ganzes deller voll Vögeln, zweÿ volle
deller von milch mit
lemonien; doch dieses könte er mit fleis
thun, aber ich glaube nicht, dan dieses wäre zu Viel, und aber er
ni
mt vielle sachen zur
Jausen auf nachmittag.
addio. lebe wohl:
küsse der mama an statt meiner die hände. an alle die mich können
mein
Compliment.
wolfgang
Mozart,
1770
[S. 3]


p: s:
wir sind bekant worden, mit einem gewissen
teütschen domenicaner, welcher sich
pater
Cantor nennt, er hatt mir gesagt, das ich ein
Compliment an hς:
Hagenauer bildhauer solle von ihn nach
salzbour schreiben, dan er sagte
mir, das, als er zu
Bologna ware, er ihm allzeit beichtete.
addio.
hς: Meuricoffre hat mir einς Befelch an euch beÿde überschriebς;
er hat uns gewiß vielle Höfl: in Neapl erwiesen; und schreibt
mir noch imer.
[S. 4]


À Madame
Madame Marie Anne
Mozart
à
per Mantova. Salzbourg
N:o 36 aus Bologna.
S.m. 8987
National-Bibliothek
Musik-
Samml.
Wien