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Bologna dς 4
tς augusti
1770
Ich schreibe dieses noch auf dem Bette. nicht aber daß mein rechter
fuß gefährlich ist: Nein! Gott Lob, dieser ist besser, obwohl itzt die
Haut abgeht, und er so aussieht, als hätte ich die Kindsblattern gehabt.
allein, nebst dem, daß ich diesen rechtς fuß noch schone, um nicht eine
neue Geschwulst zu zuziehς, so ka
n nicht gehς, wegς dem Linckς fuß; beÿ
dem ich über Nacht am ballς und ein und andςς Zehς ein solcher starker
schmerzς und kleine Geschwulst angesetzt, die schier gar dem Podagra
gleich siehet, und mich zu gehς hindert. Nun ko
me schwärlich aus diesem
Wirtshause unter 20 duccattς, we
ns nur kleckt. In Gottes Nahmς,
we
n man nur i
mer seine Haut davon bringt, holle der Plundς das geld!
Es war uns sehr traurig zu vernehmς, daß die Jungf
ς: Martherl eine
Lungensucht und Abzehrung am Halß hat. Sie hat freylich schon i
mer
so mager ausgesehς. solle man da
n mit anfeuchtendς sachς einer so Jungς
Person nicht zu Hilfe ko
mς könnς? – – Man ka
n halt nicht gewiß wissς, wo
eine solche Abzehrung herko
mt. Es darf nicht allzeit eine Lungensucht seÿn.
Es giebt viele andςe Ursachς, die dem Menschς eine Abzehrung zuziehen,
sondςheitl: beÿm frauenzi
mer. Es ist also freylich hart zu helfen, we
n
man die Ursache nicht ergründς ka
n. Ich ka
n dich versichern, daß uns beÿde
diese Nachricht in eine grosse Betrübniß gesetzt hat. Gott Helfe ihr! – –
wir empfehlς uns und wünschς von Herzς gute besserung.
Und ist der h
ς: Stöckl also wirkl: närrisch? – – Es ist doch ganz was beson=
deres, daß ich die Ehre nicht hatte, so lange ich in Salzb
ς: war, ihn in seinem
rechten närrischς Wurm zu sehς. Ich bedaure seine Frau von herzς.
das ist ganz gewiß ein unglücklicher Zufall.
DOM=
MUSICK=VEREIN
U.
MOZARTEUM
INTERNATIONALE
STIFTUNG:
„MOZARTEUM”
1881
[S. 2]


Ich dancke der fr:
Hagenauerin für die abschrift der Strizlsalbς,
wenigst ist es, we
n nicht irre, ihre Handschrift.
Wir habς noch keine Hitze, und ich
bin frohe, da
n sonst hätte
ich, beständig auf dem bette zu seÿn, verzweifeln müssς.
dem H
ς: Joha
nes lasse sagς, daß den
Sgr Bortolo Tiboni hart bis
Venedig mehr sehς werde. Ich weis nicht ob ich es geschriebς habe, daß
ich zu
Neapl beÿm
Banquier Boracini in einer abend=
geselschaft den h
ς: Obexer angetroffς, welcher Jesuiter gewesς.
dieser tagς war der h
ς: Misliwetschek beÿ mir, da
n der
Castrat
Manfredini, der beÿ uns im Zi
mer war, da er von Russland kam.
auch war beÿ mir sein Bruder der
Capellmstr. Manfredini,
und ein gewisser
Schmid welcher in
Bern Concert gegebς, den
h
ς: Schulz |: dem wir uns empf
ς :| gut ke
nς wird, der h
ς: Mis=
liwetschek hat die
Scrittura in Mayland die erste
opera
des
Carnevals 1772 zu machς, folglich ein Jahr nach dem Wolfgangerl.
Aus meinem letztς schreibς wirst umständlich gesehς habς, was die erste
opera in Mayland ist, und wer die Sänger sind. die Zweÿte
opera
in Mailand
wird die
Nitetti seÿn. lebet wohl, wir kissς euch 1000 mahl
und ich bin dς alte dςmahl ungedultige Podagrische
bettsitzer
Mzt mp
unser
Compt:e in und ausser dem Hauß.
DOM=
MUSICK=VEREIN
U.
MOZARTEUM
INTERNATIONALE
STIFTUNG:
„MOZARTEUM”
1881
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Ich bedaure recht von herzen, daß die Jungfrau
Martha i
mer so
krank ist, und bette alle tag für sie, damit sie gesund werde; sage
ihr an statt meiner, sie solle nicht zu viel bewegung
machen, und brav gesulzte sachen essen.
appropos, hast du den
Robinigsigerl meinen brief geben? du schreibst mir nichts
darvon, ich bitte, wenn du ihn siehst, so sage ihm, er soll
auf mich nit gar vergessen. Ich kan ohnmöglich schöner schreiben,
dan die feder ist eine nottenfeder und keine schriftfeder.
Nun ist meine geigen neü beseitet, und ich spielle alle
tag; aber dieses seze ich nur darzu, weil meine mama ein=
mahl zu wissen verlangte, ob ich noch geige. gewis über
6 mahl habe ich die ehre gehabt allein in die kirchen und
prächtigen
funtiones zu gehen. unterdessen habe ich schon
4 itallienische
Sinfonien componirt, außer de
n arien,
derer ich gewis 5 oder 6 schon gemacht habe, und auch eine
mottenten. ko
mt der herr
deibl öfters, beehrt er eüch
noch mit seinen unterhaltlichen
Discorsen? und h
ς: edler
Carl von Vogt, würdiget er sich noch eüre unerträgliche stim=
men anzuhören? Der h
ς: von schidenhofen soll dir fleissig
Menuett schreiben helfen, sonst beko
mt er keine zuckerl nit.
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meine schuldigkeit wäre, wen es mir die zeit erlaubete, h
ς: von
Mölck und schidenhofen mit ein paar zeilen beede zu belästigen,
aber da mir das nothwendigste darzu mangelt, so bitte ich
meinen fehler zu verzeÿen, und mir auf das zukünftige diese
ehre aufgehoben seÿn zu lassen.
Anfäng unterschiedlicher
Casationes:
hier habe ich dein verlangen
vollbracht, Ich glaube
schwerlich daß es einer von mir seÿn wird; dan wer wurde
sich den unterstehen eine
Composition, welche der Sohn des
capellmeisters gemacht hat und dessen mutter und schwester
da ist, für sich aus zugeben?
addio, lebe wohl: meine einzige
lustbarkeit besteht dermallen in englischen schritten und
Caprioll und
spaccad machen. Italien ist ein schlafland,
es schläffert einen imer.
addio, lebe wohl.
den 4
ten august 1770.
Wolfgang Mozart mp
an alle gute
freünd und freündinen
mein Compliment.
meinen Handkus an die mama.