MARIA ANNA VON BERCHTOLD ZU SONNENBURG AN BREITKOPF & HÄRTEL IN LEIPZIG
SALZBURG, 12. OKTOBER 1803
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                              Salzburg den 12tςen 8ber
                                                                                    1803.

    Hochedlgebohrn!
       Hochschätzbahrester Herr!

Ich würde auf Ihr schätzbahres von 12tςen July schon früher
geantwortet haben, wenn ich nicht imer auf antwort
von Wien gewartet, um Ihre Wünsche zu erfühlen, und
Ihnen diejenigen Sonaten zu verschaffen, wovon Sie mir
die Themen überschicket haben. Eine von dennen Personen,
an welche ich dießfahls geschrieben habe, antwortete mir,
daß sie zum Theil Künstler, und auch Musickliebhaber be=
fragte ob Ihnen von denen Sonaten wovon ihnen die
Themen gezeuget wurden, keine bekannt wäre, daß
sie von Mozarts Composition wären, allein niemand
wollte sie kennen, es wurde sogar ein gewisser Hr:
Stadler befragt, welcher nach dem Tod meines Bruders
alle seine Musickalien in ordnung brachte, welcher
auch versicherte, daß von diesen Themen keine dabeÿ
wäre, diese Person aber gieng ohngeachtet diesen
zur Wittbe Mozart, und zeigte ihr die Themen,
diese gab ihr folgende Auskunft, (– daß sie nur
von jenen No: 3 welche mit einem X bezeichnet ich Ihnen
schike) mit zuverlässigkeit sagen kann, daß sie von
Ihren Gemahl ist, doch ist sie nicht vollendet und gar
noch nicht zu haben, und wird erst von offenbach
hieher gesendet werden, die übrigen sagte sie wären
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ihr zu wenig deutlich angezeugt vielleicht würde sie
selbe besser können wenn Mehrere Täkte vorhanden
wären.
Nun will ich auch noch hören, was die andere Personn welcher
ich auch wegen dieser Sache schrieb antworten wird. – –
Vor 14 Tagen erhielte ich die 3 Hefte No: 7. 8. et 9 von Haÿdn
Werke für Hr: Kaufman Metzger welche ich Ihnen gutschreiben
werde, die 3 concert und fehlenden Bögen wöfür ich Ihnen
verbundenst danke.
Der Mahler kam heünte zum erstenmahl, da er
zu viele arbeit hatte um früher zu komen, das
portrait meines Bruders aus dem grossen Familien
gemälde zu copiren, der Kopf wird ganz nach dem
original verfertiget, ich wünsche daß es Ihren
Wünschen entsprechen möge.
Mit nächsten Postwägen sende ich Ihnen 2 Messen
von Joseph Haidn, N 4. ex b: und ex g: welche auf Ihrer
Themenliste gar nicht stehet. mehr aber haben wir in Salz=
burg selbst nicht, sie müssen also schon sehen solche in Wien
zu bekomen. Von Michael Haidn aber glaube ich schon
hier viele zu bekomen, wenn Sie die Gefähligkeit
haben wollen, mir zu schreiben, ob Sie mit denen
zweÿ von Joseph Haidn in partitur gesetzt zufrieden
sind, ob sie corect geschrieben sind, damit Sie nicht
das Geld umsonst ausgeben.
Ich wünschte recht sehr allen Ihren Wünschen genüge
zu leisten an meiner Mühe soll es gewiß nicht fehlen,
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allein ich bin imer der Meinung alle diese Anfangstackte
sind nicht von der composition meines Bruders, sondern
wenn sie existiren, so sind sie nur unter den
Namen meines Bruders heraus.
Ich fand von ohngefähr beÿ jemanden hier variationς
von Forster. wie ich sie durch sahe, so sind sie ganz
die nemlichen welche in 6ten Heft meines Bruders
Werke Seite 59 stehen: wer ist der Dieb, war es mein
Bruder oder ist es Hr: Forster? – – – – –
so ein Diebstall ärgert mich. oder so ein Betrug thut
mir in der Seele wehe: – – –
Kann ich Ihnen ferners dienen so mache ich
mir alzeit ein wahres Vergnügen, und
seÿen Sie meiner wärmsten Hochachtung vers[ichert]
mit der ich verbleibe

                                            ergebenste
                                      M: u: Freÿin von Berchtold zu
                                           Sonnenburg.
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A Monsieur
Monsieur Breitkopf et
Härtel
à
Leipzig.

Fr. v. Sonenburg

1803.             Salzburg
d. 12 Octobr.
     v. Berchtold

Ko 5234/7                                                  MHG.
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