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Mozart-Libretti – Online-Edition

Projektbeschreibung

Die Stiftung Mozarteum Salzburg bietet mit Mozart-Libretti – Online-Edition eine digitale Ausgabe der Textquellen zu den Vertonungen von Wolfgang Amadé Mozart nach wissenschaftlichen Kriterien. Die Ausgabe erscheint im Rahmen der Digitalen Mozart-Edition, die derzeit an der Stiftung Mozarteum Salzburg in Zusammenarbeit mit dem Packard Humanities Institute in Los Altos/California erarbeitet wird.

Index

1. Quellen
1.1 Vertonter Text
1.2 Originallibretto
1.3 Libretto-Vorlagen
2. Ausgabeformen
2.1 Kritische Edition
2.2 Diplomatische Edition
2.2.1 Vergleich mit der diplomatischen Übertragung der Referenzquelle
2.2.2 Vergleich mit der diplomatischen Übertragung aller weiteren Textquellen
2.2.3 Vergleich mit der digitalen Reproduktion aller herangezogenen Textquellen
3. Medien
3.1 Phonetisch-metrische Textanalyse
3.1.1 Phonetik
3.1.2 Metrik
3.2 Notentext der NMA und Tonaufnahmen
 

Obwohl die Libretti zu Mozarts Opern seit dessen Lebzeiten in zahlreichen Druckausgaben erschienen sind, fehlte bislang eine Edition, die sich mit ihren Quellen wissenschaftlich auseinandersetzt. Die Online-Edition der Mozart-Libretti möchte diese editorische Lücke füllen und die Texte, die Wolfgang Amadé Mozarts Vertonungen zugrunde liegen, zum ersten Mal in einer kritischen Ausgabe einer breiten Öffentlichkeit zugänglich machen. Durch das digitale Medium sollen Spezialisten wie interessierten Laien diverse quellenkundlich begründete Vertiefungsmöglichkeiten zu Mozarts vertonten Texten und ihren Quellen angeboten werden.

Als Bestandteil einer vielschichtigen Gattung bezieht der Text einer Oper mehrere quellenkundliche, sprachwissenschaftliche und musikalische Dimensionen mit ein. Zu seiner Entstehung tragen unterschiedliche Quellenstränge bei: der tatsächlich vom Komponisten vertonte Text, das Originallibretto und dessen mögliche Vorlagen. In linguistischer Hinsicht lebt der Operntext von historischen Besonderheiten der literarischen Sprache der Entstehungszeit, die einerseits dem heutigen Usus nicht mehr entsprechen, andererseits eng mit dem musikalischen Vortrag verbunden sind. Als Text für eine Vertonung steht er schließlich durch seine Versform in einem spannungsreichen Verhältnis zum Notentext. Die Online-Edition der Mozart-Libretti wählt ein elektronisches Format, um diese unterschiedlichen Ebenen des Operntextes für die Vertonungen von Wolfgang Amadé Mozart nach wissenschaftlichen Kriterien in ihrer Mannigfaltigkeit darzustellen, was in gedruckten Ausgaben nur zum Teil editorisch vermittelt werden kann.

Als kritisch-digitale Quellenausgabe versteht sich die Online-Edition der Mozart-Libretti im Unterschied zu einer fest umrissenen Druckausgabe als eine offene Edition in Bezug auf

  1. die Quellen, die als editionsrelevant betrachtet werden;
  2. die Ausgabeformen, in denen die Quellen dargestellt werden;
  3. die Medien, die mit einbezogen werden.


1. Quellen

Im Umfeld eines zu vertonenden Textes überschneiden sich drei unterschiedliche Quellenstränge:

1.1 Vertonter Text

Der tatsächlich vom Komponisten vertonte, den Noten unterlegte Text

  • in den überlieferten autographen Quellen der Vertonung (Partitur, Skizzen, Entwürfe, Fragmente);
  • in den Abschriften der Vertonung.

1.2 Originallibretto

Der Text des Librettos nach den gedruckten Ausgaben bzw. handschriftlichen Quellen, die ausdrücklich für Mozarts Vertonung angefertigt wurden. (Im Regelfall Libretto-Erstdruck und/oder handschriftliche Libretto-Entwürfe, z.B. für L’oca del Cairo und Lo sposo deluso.)

1.3 Libretto-Vorlagen

  • Libretti
  • literarische Werke.

Die Online-Edition der Mozart-Libretti bietet eine kritische Edition aller drei Quellenstränge, soweit sie durch Quellenzeugnisse nachgewiesen sind. Alle edierten Fassungen können entweder einzeln oder in einer synoptischen Darstellung angezeigt werden. Dabei besteht die Möglichkeit, alle dazugehörigen, durch Quellen belegten Varianten der verschiedenen Fassungen miteinander zu vergleichen.

Bibliothekarische Angaben zu den Quellen

Für jede herangezogene Quelle können durch die Verknüpfung zum Mozart-Libretti – Online-Katalog und zu den Kritischen Berichten der NMA-Online bibliothekarische Angaben zu Titel, Erscheinungsort und -jahr, Verlag, Dokumenttyp, Umfang, Format, Standort, außerdem eine Beschreibung der Exemplare und Hinweise auf ihre Reproduktionen, dazu noch Angaben zu Sprache, Inhalt, Autoren, Interpreten, Bühnenpersonal, Träger und Rollen angezeigt werden.

Quellenbewertung

Für jede Vertonung steht zugleich eine kritische Quellenbewertung zur Verfügung, in der die Quellenlage, die Stellung jeder einzelnen Quelle in der Überlieferung und ihre Bedeutung für die kritische Edition dargestellt werden.

Die Online-Edition der Mozart-Libretti bleibt offen für die Aufnahme weiterer neu- bzw. wiederentdeckter Quellen bzw. Quellenstränge, die nachweislich in Zusammenhang mit dem Text der Vertonung Mozarts stehen.


2. Ausgabeformen

Die Textquellen zu Mozarts Vertonungen werden in zwei unterschiedlichen Formen ausgegeben:

2.1 in kritisch edierter Ausgabe (Kritische Edition)
2.2 in diplomatischer Wiedergabe (Diplomatische Edition)

2.1 Kritische Edition

Für jeden überlieferten Quellenstrang (vertonter Text, Originallibretto und Libretto-Vorlagen) wird eine kritische Edition mit behutsamer Anpassung an die moderne Rechtschreibung geboten (vgl. Richtlinien/Kritische Edition).

Alle Abweichungen zwischen den edierten Fassungen können bei synoptischer Darstellung mit folgenden farblichen Hervorhebungen angezeigt werden:

Inhaltsvarianten hellblau unterlegt
Abweichende Schreibweisen hellgrün unterlegt
Abweichende Interpunktion gelb unterlegt
Fehlende Textteile graue Schriftfarbe  (hellgrauer Block)
Überzählige Textteile rote Schriftfarbe

2.2 Diplomatische Edition

Parallel zur kritischen Edition können alle herangezogenen Textquellen in diplomatischer Transkription eingeblendet werden, sodass sich jede einzelne editorische Entscheidung direkt zurückverfolgen lässt.

Jede kritisch edierte Fassung des Quellentextes kann dabei

2.2.1  mit der diplomatischen Übertragung ihrer Referenzquelle,
2.2.2  mit der diplomatischen Übertragung aller weiteren Textquellen,
2.2.3  mit digitalen Reproduktionen aller herangezogenen Textquellen (soweit urheberrechtlich verfügbar)

direkt verglichen werden.

2.2.1 Vergleich mit der diplomatischen Übertragung der Referenzquelle

Um einen direkten Vergleich zwischen der kritischen Edition jeder Textfassung und der jeweiligen Referenzquelle zu ermöglichen, kann in der Online-Edition der Mozart-Libretti parallel zu jedem edierten Text die diplomatische Übertragung der jeweiligen Referenzquelle eingeblendet werden, in der der Quellentext buchstabengetreu mit konsequenter Beibehaltung der Druck- bzw. Schreibfehler sowie der originalen Orthografie wiedergegeben wird (vgl. Richtlinien/Diplomatische Übertragung).

Alle Abweichungen zum edierten Text können dabei im Text der diplomatischen Übertragung der Referenzquelle angezeigt und durch folgende farbliche Hervorhebungen unterschieden werden:

Errata hellrot unterlegt
Abweichende Schreibweisen hellgrün unterlegt
Abweichende Interpunktion gelb unterlegt
Abkürzungen hellorange unterlegt
Fehlende Textteile graue Schriftfarbe  (hellgrauer Block)
Überzählige Textteile rote Schriftfarbe

Durch die farbliche Markierung der Abweichungen wird nicht nur jeder einzelne Eingriff des Editors in die Referenzquelle ersichtlich, sondern auch die Art der editorischen Entscheidung.

2.2.2 Vergleich mit der diplomatischen Übertragung aller weiteren Textquellen

Da editorische Entscheidungen in der Regel durch die Berücksichtigung weiterer Quellen zusätzlich zur Referenzquelle entstehen, bietet die Online-Edition der Mozart-Libretti auch die Möglichkeit, neben jeder Zeile des edierten Textes die entsprechende Zeile der diplomatischen Übertragung aller weiteren herangezogenen Textquellen listenartig einzublenden.

2.2.3 Vergleich mit digitalen Reproduktionen aller herangezogenen Textquellen

Eine digitale Reproduktion der entsprechende(n) Seite(n) jeder Quelle kann (vorbehaltlich urheberrechtlicher Beschränkungen) zusätzlich zur diplomatischen Übertragung der Quellen abgerufen werden. Dadurch kann nicht nur die Transkription der Quellen überprüft werden; es wird auch deutlich, welche Quellenmerkmale (Kustoden in Libretto-Drucken, Silbentrennungen im vertonten Text einer Partitur etc.) nicht in die Edition übernommen werden.


3. Medien

Als multimediale Ausgabe bietet die Online-Edition der Mozart-Libretti weitere Informationen, die über die Textedition als solche hinausgehen:

3.1 eine phonetisch-metrische Textanalyse
3.2 die Verknüpfung zu Notentext der Neuen Mozart-Ausgabe und Tonaufnahmen

3.1 Phonetisch-metrische Textanalyse

Die Online-Edition der Mozart-Libretti bietet eine phonetisch-metrische Analyse des vertonten Textes in der kritischen Edition. Jedes Element der phonetisch-metrischen Textanalyse wird dabei durch die üblichen modernen Standardzeichen der italienischen Metrik markiert und kann einzeln oder in Kombination mit anderen Elementen der Analyse ein- bzw. ausgeblendet werden.

Die angezeigten Elemente der Analyse werden nach zwei linguistischen Ebenen unterschieden:

3.1.1 Phonetik
3.1.2 Metrik

3.1.1 Phonetik

Auf der phonetischen Ebene werden die Lautmerkmale der Wörtern angezeigt, die für die Bestimmung des Versduktus relevant sind:

  • die Silbentrennung durch Viertelgeviertstriche
  • der Wortakzent durch Akut (geschlossene Vokale e und o) und Gravis (alle anderen Vokale)

3.1.2 Metrik

Auf der metrischen Ebene werden die Elemente eines Verses angezeigt, die seinen rhythmischen Duktus bestimmen:

  • Verschleifung bzw. Trennung der Vokale
  • metrischer Akzent
  • Vers-Typ und Vers-Endung der geschlossenen Nummern
  • Reimschema der geschlossenen Nummern

3.2 Notentext der Neuen Mozart-Ausgabe und Tonaufnahmen

Als Verbindungsglied zwischen Text und Vertonung will die metrische Analyse des Textes ein fakultatives Instrumentarium bieten, um die komplexe Beziehung zwischen metrischem Duktus der Textvorlage und dessen musikalischer Umsetzung näher erforschen zu können. Zu diesem Zweck ist es bei der Online-Edition der Mozart-Libretti auch möglich, durch die Verknüpfung zur NMA-Online, später auch zum Notentext der Digitalen Mozart-Edition, den edierten Notentext parallel zur Ausgabe des Textes abzurufen sowie eine oder mehrere Tonaufnahmen dazu zu hören.