Achter Auftritt
 
 
Silla, Aufid, der Senat, Volk, Haufen Sänger.
 
 
Chor
 
     
 
    Silla, dem so manche Schlacht
 
 
Ehre, Ruhm und Sieg gebracht,
 
 
diesen Helden, unsre Freud,
 
 
lohne, kröne Amor heut.
 
 
Ein Teil des Chors
 
     
 
    Deiner Braut, die du gewählet,
 
 
reich die unbesiegte Hand.
 
 
Das ganze Chor
 
     
 
    Wann man späte Jahre zählet,
 
 
sei dein Ruhm noch stets bekannt.
 
 
Neunter Auftritt
 
 
Junia und die Vorigen.
 
 
Silla
 
 
Väter des Vaterlands! Ich, der für Rom gestritten, gesieget, das Feuer der innern Zwietracht gedämpfet und euch den goldenen Frieden wieder gebracht, ich verlange nun dafür meine Belohnung.
 
 
Junia
 
 
(Hilfe, ewige Götter!)
 
 
Silla
 
 
Euch ist der alte tödliche Hass zwischen Marius und Silla bekannt. Heute endige sich solcher auf immer. Ein unauflösliches Band verknüpfe mich mit der Tochter und versöhne den Schatten des Vaters. Silla begehret keinen andern Lohn für seine Bemühungen.
 
 
Junia
 
 
(Der Senat schweiget und bestätiget dadurch den Willen des Tyrannen.)
 
 
Silla
 
 
Väter! Aus euerm Stillschweigen erkenne ich euere Einwilligung. Jenes innere festliche Geschrei verkündiget den Beifall des Volkes. Hin nun zum Altar.
 
 
Junia
 
 
Weg von mir, Unwürdiger! So nieder denket Rom, der Senat? Aus knechtischer Furcht begünstiget er die schimpflichste Gewalttat eines Grausamen? Ach! hat dann nicht einer von euch ein römisches Herz?
 
 
Silla
 
 
Junia! ergib dich.
 
 
Aufid
 
 
Ganz Rom wünschet es.
 
 
Silla
 
 
Folge mir.
 
 
Junia
 
 
Nicht näher, oder ich durchbohre mich.
 
 
Silla
 
 
Man entwaffne sie!
 
 
Zehnter Auftritt
 
 
Cecil mit dem Säbel in der Faust, die Vorigen.
 
 
Cecil
 
 
Mutig, standhaft, Geliebte!
 
 
Silla
 
 
(Wen sehe ich!)
 
 
Junia
 
 
(O Gott!)
 
 
Aufid
 
 
(Cecil!)
 
 
Silla
 
 
So bin ich verraten? Meinem Verbot, den Gesetzen zuwider kehret Cecil nach Rom zurück und erfrechet sich, in Vereinigung mit Junia, dem Diktator nach dem Leben zu trachten? In Ketten den Übeltäter!
 
 
Junia
 
 
(Unvorsichtiger Cecil!) Ach! Gebieter…
 
 
Silla
 
 
Keine Gnade. Morgen, Verräter! wirst du sterben.
 
 
Eilfter Auftritt
 
 
Cinna mit dem Säbel in der Faust, die Vorigen.
 
 
Silla
 
 
Wie? Auch Cinna mit bewaffneter Hand? Verwirrt, erschrocken…
 
 
Cinna
 
 
(Himmel, alles ist verloren. Man muss sich retten.) Mit Erstaunen sahe ich Cecilen mit seinem Säbel einen Weg mitten durch jene Haufen sich eröffnen. Seine Wut, seine funkelnde Augen ließen mich Verräterei befürchten. Zu deiner Beschützung eilte ich demnach bewaffnet herbei.
 
 
Silla
 
 
Kehre nur wieder zurück, Freund! Vielleicht sind noch mehrere Verräter…
 
 
Cinna
 
 
Verlass dich auf meine Treue. (Fast wäre mir's übel ergangen.)
 
 
Silla
 
 
Nun, Aufid! entwaffne jenen Treulosen.
 
 
Junia
 
 
O Gott! haltet ein.
 
 
Cecil
 
 
So lange ich diesen Stahl in Händen habe, kommt mir keiner bei.
 
 
Silla
 
 
So mutig noch?
 
 
Junia
 
 
(O Himmel!)
 
 
Silla
 
 
Her mit dem Säbel, oder ich…
 
 
Cecil
 
 
So gleich nicht.
 
 
Junia
 
 
Gib ihn, Geliebter!
 
 
Cecil
 
 
Wie, zu meiner Schande?…
 
 
Junia
 
 
Ach! widersetze dich nicht.
 
 
Cecil
 
 
Junia selbst verlangt?…
 
 
Junia
 
 
…eine Probe deiner Zärtlichkeit.
 
 
Cecil
 
 
Dein Cecil sollte?…
 
 
Junia
 
 
…sich vielmehr auf die Hilfe des Himmels und seiner Liebsten Treue verlassen, als an beiden so sehr zweifeln.
 
 
Cecil
 
 
(Schrecklich!) Hier nimm ihn, Barbar.
 
 
Silla
 
 
Fort nun, in das tiefste Gefängnis den Schuldigen. Die verbotene Luft soll ihm übel bekommen. Und du, Verräterin! auch du wirst deine Schandtat in schweren Banden bereuen.
 
 
Silla
 
     
 
    Ja, euern Eigensinn
 
 
Werd ich zu beugen wissen.
 
 
Cecil
 
     
 
    Ich bleibe, wie ich bin,
 
 
mich druckt kein bös Gewissen.
 
 
Junia
 
     
 
    Nimm, Liebster! dieses Pfand,
 
 
an deiner Seit zu sterben.
 
 
Silla
 
     
 
    Grausame! diese Hand
 
 
verdienet zu verderben.
 
 
Cecil, Junia
 
     
 
    Liebt mich mein bestes Gut;
 
 
so opfre ich erfreut,|und ich in Fröhligkeit,
 
 
Tyrann! mein junges Blut.
 
 
zu dritt
 
 
Silla
 
     
 
    Solche Unerschrockenheit,
 
 
solcher Mut und solche Treu,
 
 
setzen mich in Zorn und Neid,
 
 
machen Wut und Rasen neu.
 
 
Cecil, Junia
 
     
 
    Liebe und Beständigkeit,
 
 
die wir zu einander tragen,
 
 
bringen uns Zufriedenheit,
 
 
können alle Furcht verjagen.
 
 
 
 
Ende der zwote Abhandlung.